Organisation

Mit dem Thema „Organisation“ fokussieren wir in unserer Praxisforschung auf das Organisieren von Prävention, aber auch auf die infrastrukturellen Voraussetzungen, die für Prävention geschaffen sein müssen.

In der Polizei haben wir es mit einer hochgradig formal strukturierten, hierarchischen Organisation zu tun. Die von uns beobachtete Organisation sehen wir dabei weniger als Ergebnis von Formalisierung und Hierarchie, sondern vielmehr als Effekt von Praxis, Interaktion und Kommunikation und als den Prozess des Organisierens (vgl.: Czarniawska, B., 2008; Luhmann, N., 2000; Drew/Heritage 1992, Weick, K.E., 1980).

Die praktische Vorführung von Organisation ist nicht situativ gewählt. Es steht den Beamt_Innen nicht frei, sich nach Lust und Laune in-/formell zu verhalten. Vielmehr ist der Rekurs auf Organisation für bestimmte Arbeiten obligatorisch: indem sie berichtet, in der Hierarchie abgesichert, entlang von Entscheidungen begründet, gegenüber Abteilungen vermeldet, als Polizeihandeln ausgeflaggt etc. werden müssen. Nur derart organisiert lassen sich bestimmte Handlungen überhaupt als solche beobachtbar und geltend machen.

Aus dieser Warte schauen wir uns an, wie mit Prävention befasste Polizist_Innen ihre Arbeit verrichten. Dies betrifft tagtägliche Routinen, aber auch hervorgehobene Entscheidungen auf  unterschiedlichen Ebenen.

Wir finden Formen der Prävention, die mehr oder weniger in der formalen Organisation eingelagert sind und von dieser herausgefordert oder tangiert werden. Wir beforschen, wie die Mitglieder – unter Rückgriff auf oder auch in Absehung von organisationalen Voraussetzungen – praktisch und methodisch vorgehen, um hier und jetzt ihrer Präventionsarbeit nachzugehen und im Rahmen der eingegangenen Bündnisse mit Externen voran zu kommen.

Das Organisieren von Prävention erinnert uns daran, dass die Beamt_Innen auch in ihrer Kapazität als Organisationsmitglieder agieren und die Organisation nur im Handeln ihrer Mitglieder überhaupt zur Wirkung gebracht wird. Es erinnert uns außerdem an die mehr oder weniger organisierten Formen von Prävention innerhalb der Polizeibehörde und außerhalb:  im Kolleg_Innenkreis, im Abschnitt, im Stab, aber vor allem in Netzwerken, an runden Tischen, in öffentlichen Veranstaltungen, etc. All diese Präventionsarbeiten bedienen sich der Organisation, sind in Teilen organisiert und distanzieren sich auch von derselben.

Die verschiedenen Organisationsbezüge von Prävention gilt es im Blick zu haben, will man polizeiliche Prävention mit seinen je eigenen praktischen Anforderungen an die Mitglieder fassen.