Ethnographie

Die Ethnographie versucht, die Bedeutungs- und Relevanzproduktion im kulturellen und institutionellen Geschehen zu erschließen. Sie bedient sich dabei verschiedenster, dem Geschehen angepasster Erhebungsmethoden. Zentral sind offene, teilnehmende Beobachtungen. Diese werden ergänzt durch Gespräche mit den Praktiker_Innen, durch die Sammlung von Dokumenten oder auch durch auditive oder visuelle Speichermedien, wie der Ton- oder Videoaufnahme.

Unsere Ethnographie interessiert sich für die Praktiken der Präventionsarbeit von Polizist_Innen. Wie machen sie Präventionsarbeit? Welche Anforderungen stellt die Arbeit? Welche Varianten von Prävention finden sich im Sinne von Wissensprozessen? Zur Beantwortung dieser Fragen ist es uns wichtig, über einen mehrmonatigen Zeitraum den Arbeitsalltag zu  begleiten. Für unsere Praxisanalysen betrachten wir Ereignisse in einem weiteren Kontext. Wir berücksichtigen dabei nicht nur die zeitliche Dimension in Erhebung und Analyse (z.B. von der Planung und Ausarbeitung einer Präventionsaktion oder eines Projekts über dessen Umsetzung bis zur Auswertung in Gremien), sondern auch verschiedene polizeiliche Perspektiven auf ein Ereignis – inklusive der Präventionssicht. All dieses bietet die Voraussetzung für einen praxisnahen Austausch mit den Praktiker_Innen.

Wir haben über einen Zeitraum von sieben Monaten am Alltagsgeschehen unterschiedlicher Polizeieinheiten partizipiert. Wir haben Veranstaltungen und Einsätze beobachtet, Besprechungen dokumentiert, Gespräche mit den Beteiligten geführt, an Frühstücksrunden teilgenommen usw.. Hierzu haben wir Feldnotizen und Gesprächsprotokolle erstellt. Diese beruhen auf einem Vertrauensverhältnis zu den Akteur_Innen im polizeilichen Feld, das uns überhaupt den Zugang zu diesen Arbeitssituationen gewährte. Diesem sind wir verpflichtet. Unsere Analysen sollen zeigen, dass und wie wir ein Gespür für die Handlungslogiken und Anforderungen entwickelt haben. Sie sollen es den Praktiker_Innen ermöglichen, voneinander zu lernen, über die Arbeit anders zu reflektieren und so neue Möglichkeitsräume zu erschließen.