Wissen

CODISP beschäftigt sich mit der Entstehung, Verwendung, Verbreitung und Bewahrung von Wissen im Kontext präventiver Polizeiarbeit. Die Praktiker_Innen finden ihre jeweiligen Handlungs- und Tätigkeitsfelder vor, erschließen sie sich und eignen sie sich methodisch an. Sie generieren Wissen als Erfahrungswissen, als Know How, als anwendungsorientiertes, fachliches und inhaltliches Wissen. Oftmals ist dieses Wissen implizit: man weiß nicht, was man alles weiß.

Wir begreifen die Polizeiarbeit als Wissensarbeit, insofern die Wissensaneignung eine wesentliche Anforderung an die Praktiker_Innen stellt. Zentral sind hierbei Fragen nach:

  • den Träger_Innen von Wissen in und für die Polizei,
  • den polizeilichen Methoden der Wissensgenerierung,
  • den Medien der Wissensvermittlung und des organisierten Gedächtnisses,
  • der deutenden Aneignung des Wissens in der Polizei und ihren Präventionsbündnissen,
  • der organisationsinterne Zirkulation des Wissens.

Dabei ist es uns wichtig, die Wissensanforderungen und –zuschnitte der verschiedenen Präventionsarbeiten zu unterscheiden.

Polizeibeamt_Innen bewegen sich in komplexen und dynamischen Zusammenhängen, die mal als Konflikt- mal als Risikolagen relevant werden. Dies stellt besondere Anforderungen an die Wissensarbeit, wo neue Phänomene, Sozialräume, Problemlagen etc. in den Blick geraten. Vielfältige Kooperationen und Bündnisse, u.a. mit Betroffenen, Insidern und Anwohner_Innen, bieten Möglichkeiten, gleichwohl brauchbare Überblicke und Detailkenntnisse zu gewinnen.
Polizeibeamt_Innen sind deshalb kommunikativ gefordert: sie knüpfen Kontakte, vermitteln, schaffen Vertrauen, und fungieren bei all dem immer auch als Gesicht der Institution „Polizei“. Die Wissensarbeit ist also nicht von ihren sich wandelnden Phänomenen – Nachbarschaften, Jugendkulturen, Religiosität etc. – zu trennen.
Polizeibeamt_Innen lernen vor allem vor Ort. Ihr „lokales Wissen“ ist dabei nicht gleich Organisationswissen: weder im Sinne umfassender Transparenz, noch einer unmittelbaren Übersetzung in Entscheidungen. Sie fungieren womöglich als Puffer, die Relevantes von Nicht-Relevantem unterscheiden; die Handlungsbedarfe ausmachen oder verwerfen. Sie bieten womöglich handhabbare Ausblicke in die Organisationsumwelt.

All dies ließe sich beispielsweise mit Blick auf das Recht als Überwachung, Kontrolle oder Aufklärung problematisieren oder aber mit Blick auf die Bündnisarbeit und Kooperation als `demokratische´ Polizei mit entsprechenden Unterstützungs- und Hilfeleistungen kultivieren. Eine Frage ist hier, ob das Leitbild einer lernenden Polizei dabei tatsächlich als Leitbild taugt, oder aber spezifiziert und mit Blick auf die Formen der Präventionsarbeit ausbuchstabiert werden muss.